Mit der Industrialisierung und der beginnenden gesellschaftlichen Mobilität konnte die Betreuung kranker Menschen in den Familien oft nicht mehr gewährleistet werden. In den evangelischen Gemeinden bildeten sich Vereine, die diese Aufgabe wahrnahmen. So war es auch in den Kirchengemeinden Neureut-Nord (ehemals Teutschneureut) und Neureut-Süd (ehemals Welschneureut). Anfangs nannten sich die Vereine schlicht „Frauenverein“; Frauen verteilten Essen, das im Auftrag des Vereins gekocht wurde, an kranke Menschen. Bald genügte das nicht: Eine Diakonisse wurde beschäftigt. Der Verein wurde in „Krankenpflegeverein“ umbenannt. Es gehörte zum guten Brauch bei der Heirat in den Krankenpflegeverein einzutreten und einen monatlichen Beitrag zu entrichten. Dafür konnte man dann, wenn Bedarf war, die Hilfe der Schwester in Anspruch nehmen. Die Diakonissen vermittelten zugleich Grundkenntnisse der Krankenpflege in den Familien. So war eine sehr effektive und ganz freiwillige „Pflegeversicherung“ entstanden.

Heute wird die Pflege kranker Menschen von den kirchlichen Sozialstationen oder von privaten Pflegediensten übernommen. Abgerechnet wird über Krankenkassen und die staatliche Pflegeversicherung. Diese Neuordnung hat zur Folge, dass die Pflegedienste nur noch Leistungen erbringen dürfen, die in Richtlinien festgelegt sind. Außerdem müssen sie rentabel arbeiten. Was über die reine Pflege hinaus an Hilfe, Beratung und Zuwendung nötig ist, muss oft unerfüllt bleiben.

Erneut mussten die Formen der Nächstenliebe an neue Herausforderungen angepasst werden. In Neureut Nord wurde eine „Begegnungs- und Beratungsstätte“ ins Leben gerufen und eine Fachkraft angestellt, die sich Zeit für die Menschen nehmen kann. Diese Arbeit wurde von den Beiträgen aus dem Krankenpflegeverein und aus Spenden finanziert. Es erwies sich als zweckmäßig den Namen des Vereins in „Freundeskreis der Gemeindediakonie Neureut-Nord“ zu ändern. In Neureut-Süd wurde aus dem Krankenpflegeverein ein „Diakonieverein Neureut Süd e. V.“ Er hat in seine Aktivitäten auch die Unterstützung der Gemeindearbeit mit Kindern einbezogen. In Fortführung der alten Aufgaben wurden Gespräche für pflegende Angehörige angeboten, Krankenpflege- und Besuchsdienstseminare organisiert und Diskussionsabende über diakonische, soziale und medizinische Fragen veranstaltet.

2011 erfolgte der Zusammenschluss des Diakonievereins Neureut-Süd und des Freundeskreises Neureut-Nord; neuer Name „Diakonieverein Neureut e.V.“ Die Gemeinde Kirchfeld trat dem Verein bei. Der Verein ist Mitglied des Diakonischen Werks der Evangelischen Landeskirche in Baden. In der Rechtsform des eingetragenen Vereins ist gewährleistet, dass die Mitglieder wie bisher schon in den Vorgängervereinen die Arbeit mitbestimmen können und das Vereinsgeschehen für die Allgemeinheit transparent ist.